IW-Kurzbericht 46/2026: Was die Babyboomerwelle für Ihren Betrieb bedeutet
Der IW-Kurzbericht 46/2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt: Bis 2036 werden 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Für kleine Betriebe mit 3 bis 50 Mitarbeitern ist das vor allem eine Wissensfrage — und die Zeit zum Handeln ist jetzt.
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Der IW-Kurzbericht 46/2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln macht es zahlenmäßig greifbar: Bis 2036 werden in Deutschland 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen, weil die Babyboomer-Generation in den Ruhestand wechselt. Für kleine Betriebe mit 3 bis 50 Mitarbeitern ist das keine abstrakte Zahl — es ist das Szenario, das in wenigen Jahren in der eigenen Werkstatt, Praxis oder im Büro eintreten kann.
Was der IW-Kurzbericht 46/2026 zeigt
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) veröffentlichte den Kurzbericht am 15. Juli 2026. Er liefert eine konkrete Bestandsaufnahme: Bereits 2024 bezogen 1,1 Millionen Babyboomer vorzeitig Altersrente — und das IW Köln stellt fest, dass mehr als jeder zweite Anspruchsberechtigte den Arbeitsmarkt vor Erreichen des gesetzlichen Rentenalters verlässt.
Die Studie ist als Primärquelle zugänglich: IW-Kurzbericht 46/2026 — Babyboomerwelle (IW Köln, Juli 2026).
Diese Zahlen beziehen sich auf den gesamten deutschen Arbeitsmarkt. Für Konzerne mit HR-Abteilungen und strukturierten Nachfolgeprogrammen ist das handhabbar. Für Inhaber kleiner Betriebe ist es eine andere Ausgangslage.
Was das konkret für Ihren Betrieb bedeutet
In einem kleinen Handwerksbetrieb oder einer spezialisierten Dienstleistungsfirma trägt oft eine einzige Person das operative Herzstück: der Meister, der seit 25 Jahren jeden Kunden kennt; die Praxismanagerin, die alle Abrechnungsregeln im Kopf hat; der langjährige Monteur, der weiß, welche Heizungsanlage in welchem Gebäude welche Besonderheiten aufweist.
Wenn diese Person in Rente geht — und das geschieht laut IW Köln zunehmend kurzfristiger, weil mehr als jeder zweite Babyboomer vorzeitig in Ruhestand tritt —, ist das Wissen in vielen Fällen dauerhaft weg. Nicht weil niemand dokumentieren wollte, sondern weil kein Prozess dafür existierte.
Drei konkrete Risiken, die jetzt entstehen
Stille Wissensmonopole: Wenn eine einzige Person alle Kundendaten, Sonderkonditionen oder handwerklichen Kniffe kennt, bricht mit ihrem Ausscheiden ein ganzes System zusammen — auch wenn alle anderen Mitarbeiter bleiben.
Anlernzeiten, die zu lang werden: Eine neue Kraft kommt frisch vom Markt oder aus der eigenen Ausbildung. Ohne dokumentiertes Wissen dauert es deutlich länger, bis sie produktiv arbeitet — mit direkten Auswirkungen auf Kapazität und Kundenzufriedenheit.
Qualitätsprobleme bei Stammkunden: Stammkunden erwarten, dass der Betrieb ihre Geschichte kennt. Ist dieses Wissen nur in einer Person gespeichert, spüren sie den Abgang sofort.
Warum vorzeitiger Renteneintritt die Planung erschwert
Der IW-Kurzbericht 46/2026 macht deutlich, dass der vorzeitige Renteneintritt die Planbarkeit für Betriebe erheblich einschränkt. Wenn mehr als jeder zweite Babyboomer früher als gesetzlich vorgesehen in Ruhestand geht, verkürzt sich das Übergabefenster erheblich.
Statt eines geordneten Übergangs über mehrere Monate bleibt oft nur ein Vierteljahr — manchmal noch weniger, wenn Krankheit oder private Gründe hinzukommen. Wer erst am letzten Arbeitstag mit dem Wissenstransfer beginnt, hat keine Chance mehr.
Das ist kein Vorwurf an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Rente gehen. Es ist ein strukturelles Problem, das nur durch frühzeitige Planung gelöst werden kann.
Drei Maßnahmen, die kleine Betriebe jetzt ergreifen können
1. Wissensträger identifizieren
Machen Sie eine einfache Bestandsaufnahme: Wer im Betrieb ist über 52 Jahre alt? Welches Wissen liegt ausschließlich bei dieser Person? Welche Prozesse, Kunden oder Lieferantenbeziehungen hängen an ihrem Erfahrungsschatz?
Das ist kein HR-Projekt, sondern ein Stunden-Gespräch mit sich selbst als Betriebsinhaber. Ziel ist nicht eine lückenlose Dokumentation, sondern das Bewusstsein für die drei bis fünf größten Risikopositionen im eigenen Betrieb.
2. Wissenstransfer als Gewohnheit verankern
Wissenstransfer gelingt nicht durch ein großes Abschlussprojekt kurz vor dem Renteneintritt. Er funktioniert, wenn er zur Gewohnheit wird: Routinegespräche protokollieren, Kundengespräche gemeinsam führen, handwerkliche Kniffe direkt beim nächsten Einsatz weitergeben.
Legen Sie für jeden Wissensträger eine laufende Übergabeakte an — nicht als Dokument, das einmal erstellt und nie aktualisiert wird, sondern als lebendiges Notizbuch, das regelmäßig um neue Erkenntnisse wächst.
3. Konkretes Datum erfragen
Fragen Sie erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt: Ab wann planen sie, in Rente zu gehen? Diese Frage ist nicht unhöflich, sondern professionell. Sie ermöglicht es Ihnen, einen realistischen Transferplan aufzusetzen, statt auf eine überraschende Kündigung oder einen plötzlichen Krankenstand zu reagieren.
Was gut funktioniert — und was nicht
Viele kleine Betriebe setzen auf Schulungen oder Übergabe-PDFs kurz vor dem Abgang. Das funktioniert selten, weil echtes Erfahrungswissen nicht in Checklisten passt. Es steckt in Entscheidungen, die man unter Druck trifft, in Zusammenhängen, die man über Jahre gelernt hat, in dem Gespür dafür, welcher Kunde welche Ansprache braucht.
Was dagegen funktioniert: strukturierte Tandem-Phasen, in denen die erfahrene Person und die Nachfolgerin oder der Nachfolger dieselben Aufgaben parallel bearbeiten. Und digitale Wissensprofile, die laufend gepflegt werden — nicht als großes Projekt, sondern als kleiner, regelmäßiger Schritt. Tools wie Remainly helfen kleinen Betrieben dabei, KI-gestützte Wissensprofile aufzubauen — DSGVO-konform auf EU-Servern in Frankfurt, ohne dass ein großes IT-Projekt nötig ist.
Fazit
Die Babyboomerwelle rollt nicht irgendwann — sie rollt jetzt. Die 4,3-Millionen-Arbeitskräftelücke bis 2036 ist nicht nur ein volkswirtschaftliches Problem. Sie ist das Szenario, das in Ihrem Betrieb in wenigen Jahren konkret werden kann. Kleine Betriebe haben gegenüber Konzernen einen entscheidenden Vorteil: Sie können schnell und direkt handeln — mit einem Gespräch, einer Bestandsaufnahme und dem ersten echten Schritt im Wissenstransfer.
FAQ
Was ist der IW-Kurzbericht 46/2026?
Der IW-Kurzbericht 46/2026 wurde vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Juli 2026 veröffentlicht. Er zeigt, dass bereits 2024 insgesamt 1,1 Millionen Babyboomer vorzeitig Altersrente bezogen und bis 2036 eine Arbeitskräftelücke von 4,3 Millionen entstehen wird.
Warum ist die Babyboomerwelle für kleine Betriebe besonders problematisch?
In kleinen Betrieben konzentriert sich Erfahrungswissen oft auf wenige Schlüsselpersonen. Wenn diese in Rente gehen, gibt es keine HR-Abteilung, die Nachfolge und Wissenstransfer auffängt. Das Risiko des dauerhaften Wissensverlustes ist proportional größer als in großen Unternehmen.
Was bedeutet „vorzeitiger Renteneintritt" für die Planung?
Laut IW Köln tritt mehr als jeder zweite Babyboomer vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand. Das verkürzt das Zeitfenster für Wissenstransfer erheblich und macht kurzfristige, unvorbereitete Übergaben wahrscheinlicher.
Wie starte ich einen Wissenstransfer ohne großes IT-Projekt?
Starten Sie mit einer einfachen Liste: Wer im Betrieb trägt welches Wissen, das nirgendwo dokumentiert ist? Führen Sie dann regelmäßige kurze Wissensgespräche und halten Sie die Ergebnisse fest — in einem einfachen Dokument oder einem spezialisierten Wissenstool.
Welche Branchen sind am stärksten von der Babyboomerwelle betroffen?
Besonders betroffen sind handwerkliche Betriebe, Gesundheitsberufe wie Arztpraxen, Physiotherapiepraxen und Pflegedienste sowie kleine Dienstleistungsunternehmen, in denen Erfahrungswissen nicht in Handbüchern steht, sondern in den Köpfen langjähriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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