Atradius-Studie: Jedes fünfte Unternehmen verliert Wissen ohne Plan
Neue Atradius-Studie: 20 % der Unternehmen haben keine Strategie gegen Wissensverlust durch Renteneintritte. Nur 3 % nutzen KI. Die Zahlen im Überblick.
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Bis 2039 erreichen rund 13,4 Millionen Menschen in Deutschland das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Was das für Betriebe bedeutet, hat der Kreditversicherer Atradius im Juli 2026 in einer Umfrage unter mehr als 330 Unternehmen untersucht. Das Ergebnis in einem Satz: Der Abschied der Babyboomer ist absehbar, die Sicherung ihres Wissens ist es nicht.
Die Studie in Kürze
Atradius befragte im Mai und Juni 2026 über 330 Unternehmen quer durch die deutsche Wirtschaft, von Automotive über Bau, Chemie, Dienstleistungen und IT bis Transport, vom Kleinbetrieb mit unter 5 Millionen Euro Jahresumsatz bis zum Konzern mit über einer Milliarde. Die zentrale Frage: Wie sichern Betriebe das Erfahrungswissen ihrer Mitarbeiter, bevor diese in Rente gehen?
Die wichtigsten Zahlen:
- 20 Prozent der Unternehmen haben keine systematische Strategie, um das implizite Wissen erfahrener Mitarbeiter zu sichern.
- 61 Prozent setzen auf die Einarbeitung von Nachfolgern durch die ausscheidenden Experten, angesetzt mit sechs bis zwölf Monaten.
- 55 Prozent dokumentieren Prozesse und Erfahrungswerte in internen Systemen.
- 36 Prozent halten ehemalige Mitarbeiter als externe Berater oder auf Minijob-Basis verfügbar.
- 20 Prozent organisieren generationenübergreifenden Austausch, 11 Prozent erstellen Erklärvideos.
- Nur 3 Prozent nutzen KI-Werkzeuge, die Wissen automatisch erfassen und strukturieren.
Warum Plan A so oft scheitert
Die mit Abstand beliebteste Maßnahme ist die klassische Übergabe: Der erfahrene Mitarbeiter arbeitet seinen Nachfolger über Monate ein. Das klingt vernünftig, hat aber zwei stille Voraussetzungen, die im Alltag immer seltener erfüllt sind.
Erstens braucht es einen Nachfolger. Bei anhaltendem Fachkräftemangel bleibt die Stelle jedoch oft monatelang unbesetzt. Wenn der neue Kollege endlich anfängt, ist der alte längst weg, und mit ihm das Wissen, das er hätte weitergeben sollen.
Zweitens braucht es einen planbaren Abgang. Die Rente kündigt sich an, eine Kündigung oder eine lange Krankheit nicht. Wer Wissenssicherung erst startet, wenn das Austrittsdatum feststeht, sichert nur das Wissen derer, die freundlicherweise rechtzeitig Bescheid sagen.
Auch die zweitbeliebteste Maßnahme hat eine bekannte Schwäche: Dokumentation in internen Systemen setzt voraus, dass jemand sie schreibt, pflegt und wiederfindet. In der Praxis entstehen so Handbücher, die am Tag ihrer Fertigstellung zu veralten beginnen, während das eigentliche Erfahrungswissen weiter in den Köpfen sitzt: die Eigenheiten des größten Kunden, die Tricks an der alten Anlage, die Absprachen, die nie ein Protokoll erreicht haben.
Und die 36 Prozent, die ihre Rentner als Berater zurückholen? Das ist eine ehrliche Notlösung. Sie funktioniert genau so lange, wie der Ruheständler Lust und Zeit hat, und sie wird mit jedem Jahr teurer und unsicherer.
Was die Zahlen für kleine Betriebe bedeuten
Die Atradius-Stichprobe reicht bis zu Konzernen mit über 1.500 Beschäftigten. Gerade dort gibt es immerhin Personalabteilungen, Stellvertreterregelungen und Budgets für Wissensmanagement. Kleine Betriebe haben davon meist nichts. Wenn dort eine Schlüsselkraft geht, gibt es keinen zweiten Experten, der übernimmt, und niemanden, dessen Aufgabe es wäre, das Wissen rechtzeitig zu sichern.
Dazu passt eine zweite Zahl, die wir an dieser Stelle öfter zitieren: Die KfW erwartet rund 114.000 Geschäftsaufgaben mittelständischer Unternehmen pro Jahr, viele davon, weil keine Nachfolge gelingt. Ein Betrieb, dessen entscheidendes Wissen an einzelnen Köpfen hängt, ist schwer zu übergeben, schwer zu verkaufen und im Ernstfall schwer zu retten.
Die eigentliche Nachricht: 97 Prozent Vorsprung
Die vielleicht interessanteste Zahl der Studie ist die kleinste. Nur 3 Prozent der Unternehmen nutzen KI, um Wissen automatisch zu erfassen. Das heißt umgekehrt: Wer das Thema heute systematisch angeht, ist früher dran als fast alle anderen, auch als die deutlich größeren Wettbewerber.
Genau dafür haben wir Remainly gebaut. Statt eines Doku-Projekts, das neben dem Tagesgeschäft niemand stemmt, stellt unsere KI den Schlüsselkräften im Chat gezielte Fragen, ein paar Minuten pro Woche. Aus den Antworten entsteht ein abfragbares Gedächtnis des Betriebs, das bleibt, wenn jemand geht. Wie eine Versicherung, nur für Wissen. Und im Gegensatz zur klassischen Übergabe funktioniert das auch dann, wenn der Abgang nicht mit zwölf Monaten Vorlauf im Kalender steht.
Ob sich das für Ihren Betrieb lohnt, zeigt der Selbsttest in zwei Minuten.
Quelle: Atradius Kreditversicherung, Pressemitteilung „Boomer gehen in Rente und ihr Wissen geht mit", 21. Juli 2026, Befragung von über 330 Unternehmen im Mai/Juni 2026. KfW Research, Nachfolge-Monitoring Mittelstand (Fokus Nr. 526, Januar 2026).
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