SharePoint-Alternative für kleine Unternehmen: Was KMU wirklich brauchen
Rund die Hälfte der SharePoint-Lizenzen in kleinen Betrieben bleibt ungenutzt. Wir zeigen, welche Alternativen für KMU mit 3 bis 50 Mitarbeitern wirklich funktionieren und worauf es bei der Wahl ankommt.
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Wer in einem Betrieb mit weniger als 50 Mitarbeitern SharePoint einführt, landet häufig beim selben Ergebnis: Das Tool wird kaum genutzt, Dokumente wandern weiterhin per E-Mail, und die IT (sofern es sie gibt) kämpft mit Berechtigungen und Wartung. Eine Studie der Hochschule der Medien Stuttgart ergab, dass rund die Hälfte aller lizenzierten SharePoint-Nutzer das System gar nicht einsetzt: bezahlte Shelfware. Für Betriebe mit 3 bis 50 Mitarbeitern gibt es leichtgewichtigere Alternativen, die einfacher einzuführen, leichter zu pflegen und oft günstiger sind.
Warum SharePoint in kleinen Unternehmen oft nicht funktioniert
SharePoint ist ein mächtiges Werkzeug, aber es wurde für Konzerne mit eigener IT-Abteilung entwickelt. In kleinen Betrieben entstehen drei typische Probleme:
Komplexe Einrichtung. Berechtigungsstrukturen, Taxonomien und Seitendesign müssen konfiguriert werden, bevor das System produktiv eingesetzt werden kann. Die Migration vom Fileserver auf SharePoint kostet erfahrungsgemäß zwischen 5.000 und 15.000 Euro einmalig, für ein KMU ein erheblicher Betrag.
Geringe Nutzung. In derselben Befragung zeigten sich vier von zehn Nutzern mit der Usability von SharePoint unzufrieden. Mitarbeiter weichen auf E-Mail, WhatsApp oder persönliche Laufwerke aus, weil die Navigation unintuitiv wirkt.
Laufende Wartung. SharePoint braucht kontinuierliche Pflege. Ohne dedizierte IT-Ressourcen veralten Strukturen schnell, Inhalte werden unübersichtlich, und Wissen ist de facto nicht auffindbar.
Was kleine Unternehmen wirklich brauchen
Bevor man eine Alternative wählt, lohnt sich die Frage: Wofür brauche ich das Tool eigentlich? Die meisten KMU haben drei Kernanforderungen:
- Wissen zentral speichern und schnell wiederfinden: Prozessbeschreibungen, Anleitungen, Kundenwissen
- Neuen Mitarbeitern schnell Zugang geben: Onboarding ohne aufwendige Einschulung
- Wenig Verwaltungsaufwand: Das System soll von jedem im Team ohne IT-Kenntnisse gepflegt werden
Eine klassische SharePoint-Implementierung erfüllt alle drei Punkte nur unter erheblichem Aufwand. Leichtgewichtigere Lösungen erledigen dasselbe in Stunden statt Wochen.
Die wichtigsten Alternativen im Überblick
| Tool | Stärken | Schwächen | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| Confluence | Strukturiert, stark im Atlassian-Ökosystem | Wird bei wachsenden Inhalten schnell unübersichtlich | Tech-affine Teams mit Jira-Nutzung |
| Notion | Flexibel, moderner Look, kostenloser Einstieg | Kein Freigabeworkflow, schnell chaotisch | Freelancer, kleine agile Teams |
| Guru | KI-gestützte Suche, Slack-Integration | Stark US-ausgerichtet, Fokus auf Sales/Support | Vertriebsteams in englischsprachigen Betrieben |
| Tettra | Einfach, Q&A-basiert, Slack-Integration | Wenige Formatierungsoptionen | Sehr kleine Teams bis ca. 30 Personen |
| Spezialisierte KM-Plattform | Strukturierter Wissenstransfer, DSGVO-konform (EU-Server) | Fokus auf Wissenserhalt, nicht auf Projektdokumentation | KMU mit hohem Mitarbeiterwechsel |
Nach Anwendungsfall: Was passt wann?
Ich brauche primär Dokumentenablage und Dateimanagement
Wer ohnehin Microsoft 365 nutzt, kann SharePoint gezielt für Dateiablage und strukturierte Zusammenarbeit einsetzen, vorausgesetzt, eine externe Begleitung legt Struktur und Berechtigungskonzept von Anfang an fest. Ohne diesen Schritt bleibt SharePoint Shelfware.
Ich will internes Wissen strukturieren und auffindbar machen
Confluence bietet mehr Struktur, Notion mehr Flexibilität. Für Teams unter zehn Personen ist Notion ein risikoarmer Einstieg mit kostenlosem Tier. Wächst das Team oder steigen die Anforderungen an Zuverlässigkeit und Struktur, lohnt ein Wechsel zu spezialisierten Lösungen.
Wissen geht verloren, wenn Mitarbeiter kündigen oder in Rente gehen
Das ist das Kernproblem vieler KMU, und hier reicht eine reine Dateiablage nicht. Was gebraucht wird, ist ein System, das implizites Wissen aktiv erfasst, Expertenwissen einzelner Mitarbeiter sichtbar macht und Wissenstransfer strukturiert begleitet. Spezialisierte Plattformen wie Remainly (mit KI-gestützten Wissensprofilen und DSGVO-konformem Betrieb auf EU-Servern in Frankfurt) sind für diesen Anwendungsfall gezielter als eine Allzweck-Wiki-Lösung.
Die häufigsten Fehler bei der Toolwahl
Fehler 1: Das mächtigste Tool wählen. Mehr Funktionen bedeuten mehr Komplexität. Im KMU ist das Tool am erfolgreichsten, das täglich genutzt wird, nicht das, das in der Demo am meisten beeindruckt hat.
Fehler 2: SharePoint einführen, weil Microsoft 365 ohnehin vorhanden ist. Microsoft 365 Business Standard liegt bei rund 12,50 Euro pro Nutzer und Monat (Stand 2026) und enthält SharePoint. Das suggeriert, das Tool sei „umsonst". Die tatsächlichen Kosten entstehen durch Einführung, Schulung und laufende Pflege.
Fehler 3: Den Menschen vergessen. Ein Tool wird nur dann genutzt, wenn es in bestehende Abläufe passt. Vor der Einführung sollte klar sein: Wer pflegt Inhalte? Wer ist verantwortlich für Aktualität? Wie kommen neue Artikel ins System?
Die beste SharePoint-Alternative für kleine Unternehmen ist diejenige, die zum tatsächlichen Nutzungsverhalten des Teams passt, nicht zum Funktionsumfang des Herstellers. Für reine Dateiablage können schlanke Lösungen im Microsoft-Ökosystem ausreichen. Für Wissensmanagement im eigentlichen Sinne (strukturiertes Erfassen, Weitergeben und langfristiges Erhalten von Know-how) braucht es ein Tool, das genau dafür gebaut wurde.
FAQ
Ist SharePoint kostenlos, wenn ich bereits Microsoft 365 habe?
SharePoint ist in Microsoft 365 Business Standard (ca. 12,50 Euro/Nutzer/Monat, Stand 2026) enthalten. Die Lizenzkosten sind also bereits gedeckt, aber Einführung, Konfiguration und laufende Wartung kosten zusätzlich Zeit und oft externes Know-how.
Was ist der Unterschied zwischen SharePoint und einem Wissensmanagement-Tool?
SharePoint ist eine Plattform für Dokumentenablage und Zusammenarbeit. Wissensmanagement-Tools sind spezialisiert darauf, das implizite Wissen von Personen explizit zu machen, strukturiert weiterzugeben und dauerhaft auffindbar zu halten. Beides kann sich ergänzen, löst aber unterschiedliche Probleme.
Welche Alternative eignet sich für Handwerksbetriebe oder Praxen?
In Betrieben ohne IT-Abteilung sind einfache, cloudbasierte Lösungen am besten geeignet. Wichtig sind: intuitive Bedienung ohne technisches Vorwissen und DSGVO-konformer Betrieb auf EU-Servern, besonders wenn Kundendaten oder Patientendaten eine Rolle spielen.
Wie lange dauert die Einführung einer SharePoint-Alternative?
Eine schlanke Wissensplattform lässt sich oft in ein bis zwei Tagen produktiv einrichten. SharePoint-Projekte dauern in KMU-Umgebungen typischerweise mehrere Wochen bis Monate, abhängig von Datenmenge, Berechtigungsstruktur und Schulungsaufwand.
Muss ich bestehende SharePoint-Daten migrieren?
Nicht zwingend. Für viele KMU empfiehlt es sich, mit frischen Inhalten neu zu starten. Eine vollständige Migration ist aufwendig und lohnt sich nur, wenn die Altdaten wirklich aktiv genutzt werden.
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