Onboarding und Wissenssicherung: zwei Seiten derselben Münze
Wer Mitarbeiter onboardet und wer Wissen von Ausscheidenden sichert, bearbeitet das gleiche Problem aus zwei Richtungen. Warum eine kombinierte Lösung im KMU mehr Hebel hat als zwei getrennte Prozesse.
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In den meisten mittelständischen Unternehmen sitzen Onboarding und Wissenssicherung in unterschiedlichen Köpfen, in unterschiedlichen Tools und auf unterschiedlichen Listen. Die Personalabteilung kümmert sich um neue Mitarbeiter, die Bereichsleitung kümmert sich um die Übergabe der Ausscheidenden. Beide Prozesse fühlen sich an wie zwei verschiedene Baustellen, mit eigenen Templates, eigenen Verantwortlichen und eigenem Frust.
Wenn du genauer hinsiehst, ist es derselbe Prozess, nur mit anderer Flussrichtung. Ein neuer Mitarbeiter braucht das Wissen, das ein alter Mitarbeiter mitnimmt. Das ist keine Wortspielerei, sondern eine sehr praktische Beobachtung mit Konsequenzen für Aufwand, Qualität und Risiko.
Warum die zwei Prozesse klassisch getrennt laufen
Der Grund für die Trennung ist meistens organisatorisch, nicht inhaltlich. Onboarding fällt in den Topf "Personalentwicklung", weil dort die Verträge, die Schulungen und die ersten 100 Tage hängen. Wissenssicherung fällt in den Topf "Übergabe und Nachfolge", weil dort die Schlüsselpersonen und die Risikolisten geführt werden. Zwei Themen, zwei Verantwortliche, zwei Tools.
Dazu kommt ein zeitliches Argument. Onboarding ist akut, sobald jemand anfängt. Wissenssicherung ist meist erst dann akut, wenn jemand kündigt oder das Renteneintrittsdatum näher rückt. Beides fühlt sich an wie ein Sonderfall, beides läuft unter Zeitdruck und beides wird selten systematisch angegangen.
Die Folge dieser Trennung ist, dass dieselbe Information zweimal eingesammelt wird, in zwei Formaten, oft mit zwei Lücken. Der Ausscheidende beschreibt seinen Arbeitstag mündlich seinem Nachfolger. Drei Monate später beschreibt der Nachfolger denselben Arbeitstag in einem Onboarding-Dokument für die nächste Person. Dazwischen liegt nichts Geschriebenes.
Was die zwei Prozesse gemeinsam haben
Die Gemeinsamkeit liegt im Mittelteil. Sowohl beim Onboarding als auch bei der Wissenssicherung geht es um dasselbe Reservoir, nämlich strukturiertes, durchsuchbares Wissen über Rollen, Prozesse, Kunden und Sondervorgänge. Wissenssicherung extrahiert Wissen aus einer Person, die geht. Onboarding speist Wissen in eine Person ein, die kommt. Das Reservoir in der Mitte ist identisch.
Wer beide Prozesse zusammen denkt, baut diesen Mittelteil einmal auf und nutzt ihn doppelt. Beim Austritt landet das Wissen einer Person dort. Beim Eintritt einer neuen Person zieht sie sich aus genau diesem Pool. Der Vorgänger schreibt nicht für seinen Nachfolger, sondern in eine gemeinsame Quelle. Der Nachfolger findet dort vor, was er braucht.
Das klingt selbstverständlich, ist aber in der Praxis selten so umgesetzt. Übergabeprotokolle landen in E-Mails, Onboarding-Materialien in einem anderen Ordner. Beide veralten getrennt voneinander.
Was die Trennung dich kostet
Wer die zwei Prozesse trennt, zahlt drei Mal. Erstens doppelte Arbeit, weil dieselben Inhalte zweimal in unterschiedliche Formate gegossen werden. Zweitens zeitliche Lücken, weil die Information in der Übergangsphase zwischen Austritt und Einstellung in keinem System liegt, sondern nur in mündlichen Notizen. Drittens Qualitätsverlust, weil jeder neue Onboarding-Zyklus mit einem leeren Blatt beginnt, statt auf vorhandenem Wissen aufzubauen.
In Zahlen sieht das so aus. Eine fachliche Einarbeitung im Mittelstand dauert je nach Rolle drei bis neun Monate, bei Schlüsselpositionen oft länger. Wenn jeder Wechsel von vorne beginnt, summiert sich das schnell zu mehreren Mannmonaten produktiver Arbeit pro Jahr, die in der Wiederholung von Erklärungen verschwinden. Der bittere Nebeneffekt ist, dass die Person, die das Wissen am besten beschreiben könnte, nämlich die scheidende, im Moment der Einarbeitung des Nachfolgers nicht mehr da ist.
Im Mittelstand hängt vieles an einzelnen Köpfen. Das macht die Trennung der zwei Prozesse besonders teuer. Mehr zur Mechanik der Übergabe in Wissen sichern wenn Mitarbeiter in Rente geht.
Wie du die zwei Prozesse zusammenführst
Die operative Konsequenz ist einfacher als gedacht. Du brauchst drei gleiche Bausteine für beide Richtungen.
Erstens dieselbe Verantwortlichkeit. Eine Person im Unternehmen sollte sowohl die Austritte als auch die Eintritte koordinieren, zumindest auf Prozessebene. Wenn diese Rolle bei dir nicht existiert, ist sie in der Regel ein Teil der HR-Funktion oder direkt bei der Geschäftsführung angesiedelt. In meiner Praxis als Personalverantwortlicher spart genau diese Bündelung den meisten Reibungsverlust.
Zweitens dieselben Templates. Was in einem Wissensgespräch mit einer scheidenden Person abgefragt wird, ist im Kern dasselbe wie das, was eine neue Person in den ersten 90 Tagen lernen muss. Rolle, Prozesse, Workflows, Kundenbesonderheiten, Risiken, offene Fragen. Wenn du diese Felder einmal definierst, kannst du sie für beide Richtungen nutzen.
Drittens dasselbe Tool. Es muss kein großes System sein, aber es muss eines sein, in dem das Wissen einer Person beim Austritt landet und beim Eintritt einer neuen Person abrufbar ist. Wenn dort schon Inhalte liegen, hat der neue Kollege ab Tag eins Material zum Lesen. Konkrete Hebel auf der Onboarding-Seite findest du in Onboarding beschleunigen: drei Hebel, die wirklich Tage sparen.
Wo Remainly die zwei Prozesse zusammenführt
Remainly ist genau für diesen Mittelteil gebaut. Eine scheidende Person speist ihr Wissen über strukturierte Interviews per Sprache oder Chat in eine durchsuchbare Quelle. Eine neue Person zieht sich aus genau dieser Quelle. Eingang und Ausgang liegen im selben System, mit denselben Feldern und derselben Suche.
Damit hat das Onboarding nicht mehr ein leeres Blatt als Startpunkt, sondern einen lesbaren Stand dessen, was die Vorgängerin oder der Vorgänger zur Rolle, zu Kunden und zu typischen Sondervorgängen beigetragen hat. Und die Wissenssicherung produziert keinen toten Ordner, sondern direkt Material, das sich beim nächsten Eintritt verwenden lässt. Funktionsumfang und Pricing findest du auf remainly.de/preise.
Fazit
Onboarding und Wissenssicherung sind nicht zwei Probleme, sondern eines, mit zwei Flussrichtungen. Wer sie getrennt behandelt, zahlt für die Trennung mit doppelter Arbeit, Lücken und Qualitätsverlust. Wer sie zusammenführt, baut ein Reservoir, das beide Seiten speist und über die Jahre wertvoller wird, statt zu veralten.
Fang mit einem Schritt an. Schau dir die nächsten zwei Wechsel im Unternehmen an, einen Austritt und einen Eintritt, und lege fest, dass beide in dasselbe Dokument oder System schreiben und lesen. Damit hast du den Mittelteil installiert, alles weitere folgt daraus.
Quellen
- IfM Bonn, Zukunftspanel Mittelstand 2025: https://www.ifm-bonn.org/forschung/zukunftspanel-mittelstand
- Institut der deutschen Wirtschaft, Fachkräfte und Wissensverlust: https://www.iwkoeln.de/themen/arbeit-und-soziales.html
- KfW Research, Mittelstandsatlas und Nachfolge-Monitoring: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2026/Fokus-Nr.-526-Januar-2026-Nachfolge-Monitoring.pdf
- DGFP Praxispapier Onboarding und Wissenstransfer: https://www.dgfp.de/wissen/
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